Die Beichte zweier Einsiedler in der Wüste.

Zwei Einsiedler lebten in der Wüste von Ägypten. Aber sie lebten ziemlich weit entfernt, der eine von dem andern. Waren sie doch Einsiedler und nicht Mitbrüder einer Gemeinde. Trotzdem trafen sie sich so, einmal im Jahr und taten das mit voller Freude und Brüderlichkeit.

So kam auch dieses Jahr, Dimas, der Junge zu Bruder Nizetas, dem Alten… Aber der hatte einen geheimen Gram wegen Bruder Dimas. Er schien ihm zu leichtsinnig und zu locker, nicht mit dem echten und tiefen Geist eines Einsiedlers belebt… Jedesmal wenn ihm der Alte eine Frage über sein Einsiedlerleben mit all dem Drum und Dran stellte, gab er nur flüchtige und oberflächliche Antworten. Da fehlte es an Tiefe !

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Monastère dans le désert d’Égypte.
Photo J.-M. Guillaume

Und so stellte er ihn auf die Probe, indem er ihm harmlos von sich selbst erzählte :
- Du sagst mir immer du hättest weder Schwierigkeiten noch Versuchungen als Mönch und Einsiedler… Aber bei mir ist das nicht der Fall. Siehst du, wenn ich bete, da denke ich an alles und mein Kopf ist voller Grillen und Hirngespinst !
- Ja Vater, du hast schon Recht, mir geht es auch so, sagte de Junge.
- Und dann, nachts, führte der Ältere fort, weißt du, daß heilige Antonius, unser aller Vater und Beispiel, uns die Vorschrift gegeben hat, nachts zwei Stunden zu schlafen und eine Stunde zu beten, bis zum Aufgehen der Morgensonne. Das gelingt mir überhaupt nicht. Meine Nacht ist vorüber, und keine Stunde konnte ich wirklich wachen und beten.

Da erwiderte der Junge :
- Jaaa ! Jetzt, da du davon sprichst, Vater, muss ich zugeben, daß das auch bei mir sehr öfters der Fall ist.

Dann fiel Bruder Nizetas in ein langes Grübeln in aller Stille. Man hörte nur die Grille, die ja immer etwas zu weinen hatte. Plötzlich fuhr er zusammen und lebte auf :
- Da ist noch was. Trotz meinem Alter, bin ich immer wieder der Versuchung des Fleisches ausgesetzt, mit diesen blöden Gedanken und Bildern und Fantasien...
- Das stimmt ! Vater, und das ist bei mir sogar öfters der Fall !!

Und wieder trat eine tiefe Stille ein beim greisen Mönch und dann sagte er mit einer sanften Stimme :
- Siehst du, Bruder Dimas, jetzt hab’ ich gebeichtet, und du auch. Wir haben gesagt und bekannt was wir zu sagen und zu bekennen hatten... Geh nun in Frieden… bis zum nächsten Jahr !

Und er segnete den jungen Dimas und schaute ihm nach, bis er im Wüstensand verschwand.

Terre d’Afrique Messager septembre 2009

Publié le 6 octobre 2009 par Jean-Pierre Frey