Die Geschichte von Nathan, dem Esel aus Nazareth.

Jawohl aus Nazareth ! War er doch Josef’s Esel, der Esel des Zimmermanns von Nazareth, mit dem der Handwerksmann seine Geschäfte machte und seine Produktion ablieferte… Sein Leben gefiel ihm so ! Er hatte viel Hafer zum Frühstück, er war gut angesehen bei den Leuten und Josef war ein sanfter Mann, der ihn nicht anranzte oder strapazierte… So lebte er dahin und wurde so langsam faul ! Es ging ihm zu gut !...

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Nativité.
Crèche d’ailleurs. Pères Blancs

Und plötzlich dann lief sein Leben auf Galopp !… Es hieß, die Braut wäre schwanger und er sollte sie in das Gebirge von Judäa bringen zu Elisabeth, der Cousine, die auch schwanger war ! Guter Gott nach, Judäa ! So weit war er in seinem Leben noch nie gekommen !… Und was haben denn die Frauen alle, um plötzlich schwanger zu sein ? ! Aber Marie wollte zu Fuß zu ihrer Cousine gehen ! Um so besser, dachte der Esel bei sich. Hier gefällt es mir besser und das Leben ist behagter… Aber kaum war Marie wieder zu Hause, drei Monate nachher, da fing das Karambolen wieder an !...Jetzt hieß es : los nach Bethlehem ! Diesmal waren es politische Geschichten mit dem römischen Kaiser, der wollte nämlich wissen wie viele Menschen und vielleicht auch Esel in seinem Reich lebten… Drei Tage trabten wir so dahin, erzählte Nathan, über Stock und Stein mit der armen schwangeren Frau auf meinem Rücken, die ich leider hin und her schaukelte so acht ich auch gab ! Das war mir ganz unangenehm. Aber wem konnte ich schon mein Leid klagen. Mein Geschäftsherr und Boss ging in gleichem Schritt drei Meter vor uns her, tief in seinen Gedanken versunken !… und dann endlich, bei einfallender Dunkelheit kamen wir an, in Davids Städtchen…

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Nativité.
Srs Cisterciennes de Parakou (Bénin)

Ach du lieber Gott ! Waren da Menschen in diesem Bethlehem. Alles voller Leute : die Herbergen und die Scheunen und sogar die Ställe ! Vergebens suchte mein Boss nach einer Unterkunft, hauptsächlich für seine schwangere Ehefrau… Bevor wir wegzogen, haben sie noch die Ehe abgeschlossen… Ein Engel sollte da seine Hand im Spiel gehabt haben ! Aber da verstehe ich nichts davon ! Ich bin halt und bleibe auch Nathan, der arme Esel… Und dann zogen wir den Hügel hinauf zu den Berghöhlen und Hütten der armen Hirten, die nachts ihre Herde vor Wölfen und Füchsen schützen mussten… Die brummelten was dahin und zeigten uns eine leere Höhle mit einigen Schafen und einer Kuh oder Ochs… So genau hab’ ich das nicht gesehen... Und dann weiss ich nichts mehr. Ich bin nämlich eingedost und plötzlich ! ein Schreien in der Nacht !… Das Kind war geboren und dann ging alles im Tempo : die Engel am Himmel und die Hirten auf Erden… ein Gemenge voller Freude und ein Gemecker und Blöken von Tieren und Menschen… Guter Gott ! Ehre sei Dir !

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La fuite en Egypte.
Vie de Jésus Mafa

Das Kind soll dein Sohn sein. Das hab’ ich auch so mitbekommen. Ich bin ja nur ein armer Esel und heiße Nathan… Aber Zeuge von dem Ganzen war ich doch, nur nicht während den 5 Minuten als ich eingeschlafen war. Dann dachte ich so bei mir : Sohn Gottes, in einem Stall geboren !… Der kommt auch nicht weit im Leben ! Aber ein Esel ist kein Prophet ! Eines ist aber sicher : ich wurde zum Königsesel befördert… Von jetzt an werde ich die Ehre haben, die Gottesmutter mit ihrem Königskinde auf dem Rücken zu tragen… Damals wusste ich aber noch nicht welche Strapazen ich deshalb noch zu erleiden hätte !… Das ist natürlich eine andere Geschichte und diese erzähle ich mal später.

Terre d’Afrique Messager 2009-4

Publié le 2 février 2010 par Jean-Pierre Frey