Mein Esel, das Instrument meiner Heiligkeit ? – Humor

Auf meinem eigenen Esel bin ich durch das Leben gepilgert, bis heute. Er war einmal ein junger, staatlicher, schwarzer Esel, dann ein grauer, und endlich ein weißer – manchmal starr und auch stur, je nach seiner Willkür – früher mit langem Atem und heute mit einem kurzen keuchenden Schnaufen ! Aber es wird weiter gepilgert…

Was wäre aus der frohen Botschaft des Reiches Gottes geworden ohne den Esel ?… Der Esel von Nazareth und von Bethlehem – der Esel von der Flucht nach Ägypten und jener, ein geliehener, vom feierlichem Einzug des Herrn in Jerusalem… Paulus fiel nicht vom Esel : er hatte keinen ! Ein Pferd auch nicht : er wurde so vom Herrn zur Erde geschmettert, und er hatte es verdient !

Man erzählt, dass die Gründerin und Reformatorin des Karmeliter Ordens in Spanien, die Heilige Theresia von Avila, mehr Stunden auf ihrem Maulesel verbrachte als in der Klosterkirche. So beschäftigt war sie ! Und der Esel war jahrhundertelang das einzige Mittel sich weiterzubewegen – sagen wir das einzige „Fahrzeug“, im Süden, um das Mittelmeer herum ! Auch heute noch in Afrika und Kleinasien und auch weiter gegen Osten ist es noch so !

Ja, ich habe Euch alle stöhnen gehört ! „Was erzählst du uns wieder hier ? Du erzählst uns da so dämliche Geschichten ohne uns dabei zu erbauen !“

Aber, meine Lieben, das sind nur Eselgeschichten und da muss man schon ein schlauer Esel sein um mitzukommen ! Ich bitte um ein wenig Geduld, denn mein Esel hat sich schon von je her geweigert im Tab zu laufen ! Nicht nur aus Trägheit, sondern wegen seinen Rheuma und Rückenschmerzen ! Das müssen Sie schon verstehen. Und wir beide, in unserm täglichen Dahinpilgern, loben immer und stets den Herrn mit treuer Seele, wie es sich auch gehört für redliche Pilger in der Christenheit !

Und nun der Höhepunkt ! Ich habe immer so geträumt, mal neben Petrus, ganz diskret am Himmelstor zu sitzen, um die müden, vom Leben zerrissenen Pilger ankommen und eintreten zu sehen, zur ewigen Erneuerung im Geiste des Herrn. Aber dann plötzlich kommt die Frage auf, wie ein Paukenschlag : „Ja, und mein Esel ? Mein grauer Esel mit seinem kurzen, keuchenden Atem, hat er hier Zutritt ? Hat er auch einen Platz hier, speziell vorbereitet für ihn zu dieser Jubelfeier der Hochzeit des Lammes ? - Natürlich ! Du kleingläubiger Christ ! flüstert mir mein Schutzengel leise ins Ohr : alle Pilger die guten Willens sind, sind hier willkommen, auch dein starrer, grauer Esel mit seinem Rheuma. Und weißt du : die Kleinsten hier werden die Größten sein ! Das hat der Heiland gesagt, bevor Er auf seinen geliehenen Esel stieg, um in Jerusalem feierlich einzuziehen. Also bereite dich vor zum kommenden Jubelfest aller Heiligen !“

Publié le 7 octobre 2010 par Jean-Pierre Frey