Wie kommen Ochs und Esel an die Krippe ?

Eine lange Geschichte, je nach den verschiedenen Überlieferungen.

Fangen wir mit dem Esel an. Der Esel war von Anfang an, in diesen orientalischen Ländern, Omnibus und Lasttier zugleich. Und der Ochs an der Krippe war eine Kuh, sagen manche ! Vielleicht fehlte es der Mutter des Kindes Jesu an Milch ?... Und mit der Krisensituation, in der sie lebte (die Flucht vor der Wut des Herodes) und die Strapazen der ganzen „Herumreiserei“ auf Esels Rücken (Bethlehem – Wüste – Ägypten und zurück nach Galiläa) kann man das schon verstehen.

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La Crèche. Tissage africain.

Andere sagen, dass Joseph als Handwerksmann den „Ochsen“ mitgebracht hatte weil er beim Einschreiben seiner Familie auch seinen Zins zahlen musste ! Als Beweis und Beispiel dazu, haben wir ein wunderbares Gemälde von dem Holländer Peter Bruegel. Der hat den Josef mit Maria auf dem Esel, inmitten der Menge von Pilgern zu Bethlehem, mit einem Ochs an seiner Seite, gemalt. Das Werk ist von 1566 datiert und unterzeichnet. All das kann man auch begreifen !

Ja, aber was sagen die Schrift und was die Geschichte ?

Warum ein Esel und ein Ochs (rot und blau hat sie Botticelli gemalt im Jahre 1501) an der Krippe, da keiner der Evangelisten sie erwähnt hat ! All das ist wieder mal das Werk der volkstümlichen Frömmigkeit. Und trotzdem waren sie nicht die Ersten an der Krippe. Krippen, gab es schon ganz früh... Man findet sie an den Wänden der Katakomben gemalt, oder auf Grabdenkmäler eingehauen. Die älteste wahrscheinlich, befindet sich in der Katakombe von Priscilla. Sie stammt aus dem frühen 3. Jahrhundert. Und ist sehr lehrreich. Denn sie gibt uns einen kurzen aber reichen Einblick in die damalige Auffassung von der Erlösungsgeschichte. In dieser Zeichnung befindet sich die Mutter mit dem Kinde neben einem Propheten, der den Stern anzeigt als das Licht, das Gott vor allen Völkern bereitet hatte [1] und der aufgegangen war über dem neuen Baum des Lebens, dessen Zweign man sehen kann... Und der Prophet heißt Bileam oder Balaam [2].

In der christlichen Malerei des Anfangs, waren also die Könige, die den Stern gesehen hatten, die Ersten an der Krippe und hatten Vorrang vor den Hirten, weil eben die Verheissung des Propheten Bileam, über Israel hinausgeht, und sich an alle Völker der Erde wendet… „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen um ihm zu huldigen [3]“, sagten die drei Könige, als sie in Jerusalem ankamen. Für sie und für Matthäus war der Stern das Zeichen des neugeborenen Erlösers für die Menschheit. Und sie waren erstrangig in der Erlösungsgeschichte. Darum ist auch in den orientalischen orthodoxen Kirchengemeinden das Fest der Könige das echte Weihnachtsfest, weil es der Tag der Erscheinung des Erlösers, als Licht für alle Völker ist [4]… und nicht nur für eine Handvoll verlorener Hirten. All das sind verschiedene Auffassungen !

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Giotto. La Nativité. Assise.

Aber schon im 4. Jahrhundert waren Ochs und Esel an der Krippe genau so populär wie die Könige und mit ihnen vereint als „Besucher“ des Stalles der Geburt Jesu. Ochs und Esel waren also sozusagen stets da vor dem „Throne“ des Sohnes Davids, noch bevor die Könige als Abgesandte der heidnischen Völker sich vorstellten ! Aber wo liegt die Quelle in der Schrift des Alten Testamentes, die solch ein „Gespann“ von Ochs und Esel rechtfertigt ? Da müssen wir bei einem zweiten Propheten anklopfen und zwar bei dem schwungvollen Jesaya. Kaum hat der große Prophet und Dichter angefangen in seiner Weisheit und bilderreichen Sprache sein Buch zu schreiben vom Kommen des Herrn und Erlösers, nennt er schon den Ochs und den Esel als Symbole der Treue... ohne den Mund zu verziehen : und zwar, schon im 1. Kapitel - dritter Vers : „Ich habe Söhne großgezogen und emporgebracht, Doch sie sind vom Mir abgefallen. Der Ochs kennt seinen Besitzer, Und der Esel die Krippe seines Herrn, Aber Israel kennt Mich nicht mehr ! [5]“

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Photo Jean-Pierre Frey

So hat alles angefangen... eine lange Geschichte, gleich am Anfang des Christentums. Jawohl, noch bevor was geschah, waren Ochs und Esel schon da !…

[1] Lk. 2, 30-31.

[2] Nu. 24, 17.

[3] Mt 2, 2.

[4] Lk. 2, 30-31.

[5] Jesaya 1,3.

Publié le 25 janvier 2009 par Jean-Pierre Frey