Allerheiligen – das Fest des Lebens !

Der Gott des Lebens hat das Wort des Lebens und zwar seinen eigenen Sohn ausgesandt, und dieses Wort, als Sohn Gottes, ist Fleisch geworden : nicht nur Mensch, sondern schwaches, gebrechliches, verwesbares Fleisch, damit wir es schaffen, all die Schwachheiten des Fleisches in uns zu überwinden, um endlich heilig zu werden… aber wann ?

Trotz ihrem hohen Ansehen als Ebenbilder Gottes haben Adam und Eva sich verführen lassen : „Wie Götter werdet ihr herrschen über Himmel und Erde“ hat ihnen die Schlange gesagt, und „alles wird euch untertan sein“, aber all das waren nur trügerische Worte, wegen eines rotbackigen genussbaren Apfels und sie haben gesündigt.

Damals gab es auch schon Reben mit prächtigen Blättern, und so gekleidet in ihrer nackten Schwachheit wurden sie aus dem Garten vertrieben. Schluß !

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L’assemblée de l’église d’Adamavo lors des obsèques du P. Gérard Bretillot.
Photo Patrice Apedo

Gott aber hat sie nicht ausgerottet. Im Gegenteil : Er hat ihnen die Gnade des Lebens geschenkt, aber sie selbst haben sich dem Tod verschrieben und gerade darum ist der Sohn Gottes, das Wort des Lebens, Fleisch geworden.

Heiligkeit ist keine Sache des Erkämpfens aus eigenen Kräften oder mit eigener Faust oder eigener Frömmigkeit. Sie ist und bleibt, über allem Gebet und allen Verdiensten hinaus, eine Gnade und eine reine Gabe des Herrn des Lebens, weil eben der Herr des Lebens ein Herr des Erbarmens und des Mitleides ist.

Das Wort ist also Fleisch geworden um uns einzuladen mit Ihm, dem Messias, den Weg der Rückkehr anzutreten, um immer wieder weiter zu gehen. Nicht alleine, nie alleine, aber mit unserm Nächsten – dem Nachbarn oder dem Fremden – den wir aufnehmen und betrachten als Bruder oder Schwester.

Denn das Reich des Himmels kann nur durch Liebe und Erbarmen erreicht werden !

Aber was heißt da schon Mitleid, ein schweres Wort, das nur einen einzigen, tiefen Sinn hat : zu leben in der Nähe des Menschen, jedes Menschen, und sich bekümmert fühlen um sein tägliches Glück und Wohl.

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Le Christ tirant Adam et Eve de leur tombeau. Fresque de l’Église St-Sauveur de la Chora (Kariye camii) à Istamboul.
Photo A. Ertug

Matthäus schreibt uns [1] : „Ich war nackt und ihr habt mich gekleidet, und ihr habt mich ernährt und meinen Durst gestillt, und mir ein Obdach gegeben“. Und Lukas fügt hinzu : „Der Herr hat mich gerufen, Er hat mich gesalbt und hat mich gesandt, den Armen eine gute Nachricht der Befreiung und Erleichterung zu verkünden“.

Dieses Motto bleibt immer wieder aktuell, auch in der heutigen Welt und wir sind dazu bestimmt, es weiter zu führen.

Aber viele von uns sagen : „Ach, was soll ich da schon tun ? Ich bin doch viel zu klein und da gibt es so viele Hilfswerke auf jedem Gebiet“. Ja, schon ! Aber die Hilfswerke brauchen auch Aushilfe und Sauerstoff !

Und hier liegt der Kern der Heiligkeit : Selig, die guten Willens sind und die leben im Geiste der Armut, um immer wieder bereit zu sein zum Teilen und zum Eingreifen.

Glauben heißt zuerst handeln, und dann erst bekennen, sonst ist das Bekenntnis des Glaubens – das Credo - nur ein Geständnis, ein Aufsagen einer Anzahl von leeren Worten, die noch keine Früchte gebracht haben, wie der Feigenbaum im Evangelium [2].

„Unter deinem Schutz und Schirm“ beten wir, und das ist ein schönes, frommes Gebet, aber „der Schutz und der Schirm“ sollen uns zur echten Nachahmung und Bekehrung führen. Erst dann lebt die Fülle Gottes in uns, als Samenkorn der echten Heiligkeit.

[1] Mt 25, 31-41.

[2] Markus 11,13 und 20.

Publié le 24 novembre 2014 par Jean-Pierre Frey