Maria von Magdala, am Ostermorgen.

« Frau warum weinst Du ? Wen suchst Du [1] ? »

Wie so manche andere Frau, pilgerte auch sie nach der Osterfeier der Juden zum Grab des Herrn… ganz außer sich ! Sie kam ja nur um den toten Körper ihres „Rabbuni“ zu salben. In der Hast hat man Ihn begraben am Vorabend der Pessah, um ja das heilige Ritual nicht zu verletzen und so unrein zu werden, und dann wäre es aus gewesen mit der Osterfeier und dem Osterlamm !

Aber das Grab war leer und alle Linnen und Tücher lagen schön an ihrem Platz, am Kopfende und am Fußende, wie man das früher in unseren Familien ausdrückte. Jedes hat seinen bestimmten Platz, nach den Vorschriften vom Gesetze Mose. Heilige Ordnung muss schon sein, bis in das Grab hinein !

Ja, das Grab war leer !!

Da stand sie nun so trostlos und verlassen, die Magdalena mit ihrem kostbaren Gefäß. Es war vielleicht dasselbe Gefäß wie jenes, woraus sie an dem Abend, dem müden Pilger „die Füße salbte, mit ihrem wohlriechenden, teuren Öl aus dem kostbaren Alabastergefäß [2]“ wie die Schrift schreibt… Ja vielleicht.

Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall Maria, Magdalena hat dieses Alabastergefäß durch die Jahrhunderte hindurch in der christlichen Kunst mit sich getragen… Gehen sie nach Colmar und schauen sie sich das wunderbare Altargemälde von Grünewald an. Und da kniet sie vor dem sterbenden Heiland, die weinende, gebeugte Magdalena mit ihrem Gefäß, neben ihr hingestellt.
Und wenn wir das Bild genauer betrachten, so sehen wir, daß der Künstler Matthias Grünewald, sie vor dem sterbenden Heiland, neben der Mutter des Herrn und dem Apostel Johannes gestellt hat ! Und der Sinn von dem allen ist eben, daß Grünewald in Magdalena das Sinnbild der weinenden und trauernden Menschheit sah, genauso wie er Johannes den Täufer auf der anderen Seite als der bekennende Mensch darstellt, mit den Worten seines Glaubens : „Das ist wahrlich das Lamm Gottes.“

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Chemin de Croix de la cathédrale de Sokodé (Togo).
Photo M. Charis Schmitt

All das steht aber nicht so geschrieben in der Schrift, aber so ist der Glaube des christlichen Malers Matthias Grünewald, und er ist groß ! Der Maler und der Glaube !
Und so wurde auch Maria Magdalena eingeschrieben in die Geschichte aller Gläubigen und Heiligen, als das Symbol der gottsuchenden Frau, die in Jesus als sie Ihm die Füße salbte, den Messias erkannte. Er hat ihrem Leben als Strassendirne, den wahren Sinn gegeben und aus ihr eine echte und treue Dienerin gemacht.
Darum wollte sie Ihn auch festhalten an jenem Morgen, um sich nicht mehr zu trennen von Ihm und das kann man auslegen wie man will !

Aber dann hat ihr der Herr plötzlich die Aufgabe gegeben, die Nachricht der Auferstehung und des Auferstanden an die wartenden Jünger zu verkünden. Und das ist ihr dritter Titel : sie ist die Botin des Herrn als auferstandenen Heilands, an Den ja sie schon lange glaubte.

Und so ist sie eingegangen, die weinende Frau vom Ostermorgen in die Legende aller Heiligen. Folgen wir ihr nach !

[1] Johannes 20, 15.

[2] Lukas 7, 37-38.

Publié le 6 juillet 2012 par Jean-Pierre Frey