Weihnachten – anders gesehen…

Hätte ich die Gelegenheit gehabt, so wäre ich „wer“ gewesen an der Krippe im Stall, in jener ersten Weihnachtsnacht, oder besser gesagt, „wer“ hätte ich sein sollen in jener Weihnachtsnacht. Kein leichtes Rätsel, oder keine leichten Antworten… Die Lieder, die wir sangen als Knirpse waren wunderschön und wundersüß, ganz auf christliche Betrachtung eingestellt. Heute sagt man es wären alte Sitten und vergangene Gebräuche gewesen. Die Mitternachtsmesse haben sie abgeschafft, und die Gesänge sind modern. Da kann man kaum noch singen : „Schlaf wohl du Himmelsknabe, du“… Guter Gott ! Der kommt ja nicht mehr zum Schlaf !

Und trotzdem und trotz allem sind wir im 21. Jahrhundert mitten in einer Krise und in der Hektik der Moderne. Heimweh gehört nicht zur Sache ! Das auch ist überholt… Sagen wir also : „Simon, du musst dich fügen !“ und er fügt sich, der Simon, damit er in die moderne Welt hinein passt. Etwas muss er schon annehmen der Simon : die moderne Welt ist eine farbige Welt mit vielen Gelegenheiten und vielen Genugtuungen. Auf all diese Neuigkeiten und Überraschungen muss sich natürlich jeder persönlich einstellen und vorbereiten.

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Crèche de Betschdorf.
Photo Jean-Pierre Frey

Genauso wie es sich zutraf mit Joseph an jenem Heiligen Abend, als er feststellte dass sich alle Türen, jede nach der andern zuschloss und der Riegel dahinter zuklappte, und dass die Nacht einbrach und er dastand mit seiner schwangeren Braut „ OBDACHLOS“ ja obdachlos. Kein Mensch weiß was ihm da durch den Kopf ging oder wie es vielleicht in seinem Herzen rumorte. Niemand weiß wer ihm den Weg hinauf in das Lager der verdächtigen und berüchtigten Hirten angab. Auf jeden Fall, fand er einen Stall und eine Krippe mit Heu und Stroh, Heu für den Esel und den Ochsen und Stroh für den Sohn Gottes ! Der Sohn des Schöpfers von Himmel und Erde schlief jene Nacht auf Heu und Stroh !

Aber eines hat er wirklich entdeckt, der Sohn Davids. In der Heimat seiner Vorfahren ist er wirklich ein Fremder geworden, ein Hergelaufener, dem man nicht zu sehr zutrauen kann. Aber in solch einer heiklen Situation muss man weiter und höher denken und weiter und höher muss man sehen und gehen… darüber hinaus.

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Crèche de Betschdorf.
Photo Jean-Pierre Frey

Als dann mitten in der dunklen Nacht, sich der Himmel plötzlich erleuchtete und das helle Licht von oben kam und der Klang der Stimmen aller Engel ertönte, da kam eine Welt in eine andere hinein und vermischte sich ganz eng mit ihr und der Sohn Gottes war geboren aus Maria, der Jungfrau, der Mutter Gottes, geboren als Fremder unter Fremden und Außenseiter. Der zukünftige Hirt der Menschheit, wurde unter verrufenen Hirten geboren !...

Ja, um Weihnachten wirklich zu erleben, muss man weiter denken, muss man weiter gehen und höher sehen, um in diesem Kind der Armen, den Sohn Gottes zu erkennen. Dann hat das Lied einen Sinn : „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“. Der gute Wille, die einzige Tugend, die vielleicht noch übrigbleibt von alten Sitten, und die für jeden einfachen Mensch auf Erden geltend ist !

Publié le 1er mars 2012 par Jean-Pierre Frey